Stuttgarter Controller-Forum
Das 22. Stuttgarter Controller-Forum unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth stand unter der Überschrift „Mehr Verantwortung für den Controller! Performance und Compliance ausbauen.“ Controlling leistet keinen direkten Erfolgsbeitrag, ist aber „enabler“ des Unternehmenserfolgs, wie Horváth feststellte. Auch diese Veranstaltung war aus mehreren Gründen aufschlussreich und informativ. Zwei Aspekte dieser Tagung sollen besonders herausgegriffen werden. Zum einen Compliance- und Sicherheitsaspekte sowie das Zusammenwirken von Controlling / Interne Revision / Corporate Governance. Zum anderen auch die dem modernen Controlling zunehmend innewohnenden vielgestaltigen Spannungsverhältnisse.
„Compliance“ zählt in letzter Zeit zu den bedeutendsten und am häufigsten gebrauchten Wörtern in Wirtschaft und Unternehmen. „Unter Compliance i.e.S. versteht man Strategien und Instrumente für das korrekte Verhalten eines Unternehmens im Einklang mit dem geltenden Recht. Neben der Einhaltung der Gesetze geht es i.w.S. aber auch um die Befolgung von Regeln, die durch die gesellschaftlichen, politischen und ethischen Wertvorstellungen geprägt sind. Compliance ist ein wichtiges Instrument der Corporate Governance“*. Sowohl die Finanz- und Vertrauenskrise als auch Korruptions- und Datenmissbrauchsaffären haben den Bedarf an Schutz, Sicherheit und Kontrollen deutlich erhöht. Aber auch „alte Tugenden“ wie Glaubwürdigkeit, Klarheit und Wahrheit werden aufgewertet und rücken wieder vermehrt in die Aufmerksamkeit. Dem Controller kommen in diesem Bereich neue Aufgaben und damit eine veränderte Rolle zu. Glaubwürdigkeit ergibt sich vor allem aus dem kommunikativen und verantwortlichen Handeln.
Diese Entwicklung stellt neue und weitere Anforderungen an Controller im Sinne neuer Teil-Aufgaben und einer zielgerichteten Zusammenarbeit mit anderen Verantwortlichen im Unternehmen. Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen kommt es nicht nur auf Systeme und Methoden an, sondern auch auf ethisch-sittliche Normen, Grundsätze und Werte. Viele Fragezeichen ranken sich um diese Entwicklung. Beispielsweise die Frage, ob der Controller zunehmend eine „moralische Instanz“ sein sollte bzw. müsste. Seit einigen Jahren ist zu beobachten, dass sich Controller um ein modernes und dynamisches Image bemühen und Einfluss nehmen auf die Vorstellung und das Bild, das die Öffentlichkeit von ihnen hat oder haben sollte. „Controlling wird nicht mit K geschrieben“, zählt zu häufig gebrauchten Wendungen. Die skizzierten Tendenzen haben viel mit Überwachung und Überprüfung und damit mit Kontrolle zu tun. Steht der Controller in der Gefahr, wieder ein Stück weit zum Kontrolleur zu mutieren? Welchen Einfluss üben diese Veränderungen auf das dynamische Rollenbild des Controllers aus. Es gibt nicht nur den Konflikt Performance versus Compliance, sondern viele weitere Spannungsverhältnisse. Gänßlen brachte auf dieser Tagung das zentrale Spannungsverhältnis der Controller auf den Punkt: „Der Controller muss im Unternehmen einen Zusammenhang zwischen der Marktseite, den Finanzen, den Prozessen und den Ertragserwartungen der Eigentümer schaffen“**. Es scheint, dass zu den zentralen Trends, aber auch Chancen und Herausforderungen der Controller die Fähigkeit des Ausbalancierens in ganz besonderer Weise zählt – die Fähigkeit, Dinge auszugleichen, im Gleichgewicht zu halten oder ins Gleichgewicht zu bringen. Zahlreiche Vortragsunterlagen des 22. Stuttgarter Controller-Forums stehen unter http://www2.horvath-partners.com/?id=914 zum Download zur Verfügung.
* Thommen, Jean-Paul: Lexikon der Betriebswirtschaft, Zürich 2008, S. 138
** Horváth, Peter (Hrsg.): Mehr Verantwortung für den Controller, Stuttgart 2008, S. 47.
Erschienen in: Controller Magazin 04 Juli/August 2009
Autor: Dipl.-BW Alfred Biel