Stuttgarter Controller Forum:
Die Rezession fordert das Controlling heraus
(September 2009)
Flexibles Reporting gewinnt in Krise stark an Bedeutung. Der Controller hat mehr Verantwortung und muss zum Partner für Innovation werden. So lautet das Fazit des 23. Stuttgarter Controller-Forums.
Montag 28. September 2009
„Controlling als Chance in der Rezession“ lautete das Thema des Eröffnungsvortrags von Kongressleiter Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Péter Horváth, Aufsichtsratsvorsitzender des Consultinghauses Horváth AG. Angesichts der Krisenanfälligkeit der Wirtschaft sei die Früherkennung von Chancen und Risiken der Startpunkt des Reportings und der Steuerung. Schnelligkeit rangiere dabei vor Genauigkeit, daher seien Standardisierung und IT-Unterstützung unerlässlich. Steigende Bedeutung käme nicht-finanziellen Steuerungsgrößen zu, da sie schneller reagieren als die Kennzahlen des Rechnungswesens.
Controller als Partner der Innovation
„Controller sind keineswegs der natürliche Feind von Innovationen sondern können Transparenz in den Erneuerungsprozess bringen“, argumentiert Dr. h.c. Klaus Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Technikdienstleisters DEKRA e.V./AG im ersten von insgesamt 28 Vorträgen. Innovation sei nicht planbar, aber das Controlling könne die ökonomischen Auswirkungen abschätzen und steuern. Als Beispiel für eine nicht-finanzielle Kennzahl nennt Schmidt die Forderung, dass bei DEKRA ein Drittel aller Dienstleistungen jünger als fünf Jahre sein soll.
Einfluss der Banken auf die Betriebssteuerung reduzieren
„Die finanzielle und die betriebswirtschaftliche Steuerung eines Unternehmen müssen gleichgewichtig im Einklang stehen“, fordert Dr. Peter Zattler, Mitglied der Geschäftsführung und CFO des Technikdienstleisters Giesecke & Devrient GmbH. Der Controller müsse an erster Stelle dafür sorgen, dass das Unternehmen genügend Cash und eine ausreichende Kreditlinie habe. Er gewährleiste die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens und sorge dafür, dass sich das Wachstum vorrangig aus eigenem Cashflow finanzieren lasse. Nur so könne der Einfluss der Banken auf die Betriebssteuerung reduziert werden.
Excel taugt nur bedingt als Reporting-Tool
Über den Nutzen von Business-Intelligence-Software für den Controller referierte Carsten Bange, geschäftsführender Gesellschafter des Würzburger Business Application Research Center (BARC). Business-Intelligence-Applikationen dienen generell der Sammlung, Aufbereitung und grafischen Darstellung von Informationen. Am weitesten verbreitet ist MS Excel, das 82 Prozent aller Unternehmen im Controlling einsetzen. Zufrieden damit seien allerdings lediglich fünf Prozent, was auch daran liege, dass 88 Prozent aller Excel-Sheets Fehler enthalten.
Mittelstandskunden kaufen bevorzugt auf Augenhöhe
Auf Seiten der Business-Intelligence-Anbieter sieht der Consulter eine starke Konzentration: Seit 2007 haben sich die Marktriesen IBM, Oracle und SAP Spezialanbieter einverleibt. Bange geht allerdings nicht davon aus, dass sich mittelfristig der Markt auf fünf große Hersteller beschränkt: „Kleinere Anbieter rangieren in Sachen Innovation auf den vordersten Plätzen, außerdem kaufen Mittelstandskunden bevorzugt auf Augenhöhe – und die finden sie bei den Marktriesen am wenigsten.“
Je länger ein Projekt dauert, desto eher sinkt der Nutzen
Trotz der allgemein anerkannten Vorteile lasse sich der quantitative Nutzen von Business-Intelligence-Applikationen in Unternehmen sehr schwer messen. BARC-Umfragen zeigen, dass der Nutzen stark von der eingesetzten Software abhängt. Bei einigen Applikationen berichten die Anwender von einem deutlich unterdurchschnittlichen Nutzen. Sehr wichtig sei die Auswahl des Projektleiters: Projekte, die von Fachanwendern oder spezialisierten BI-Beratern geleitet werden, erzielen überdurchschnittlich oft einen hohen Nutzen. Im Blick haben sollten die Unternehmen die Implementierungszeit: Je länger ein Projekt dauert, desto eher sinkt der Nutzen. Bange empfiehlt deshalb, Großprojekte in sinnvolle Dreimonatsblöcke aufzuteilen, bei denen sich Zwischenergebnisse zeigen.
Statusverlust kann Projektabbrüche verhindern
Erstmals im Rahmen des Forums wurde der mit 25.000 Euro dotierte Controllingpreises der Péter Horváth-Stiftung für die beste wissenschaftliche Arbeit zum anwendungsorientierten Controlling verliehen. Preisträger ist Jun.-Prof. Dr. Mathias Mahlendorf von der Otto Beisheim School of Management aus Vallendar, dessen Dissertation sich mit der „Eskalation des Commitments bei scheiternden Projekten“ beschäftigt. Konkret geht es in der empirischen Arbeit um die Frage, warum nicht erfolgversprechende Projekte wider bessere Einsicht oft zu spät oder gar nicht aufgegeben werden. „Unternehmen sollten im Projektverlauf ständig Annahmen und Motive hinterfragen“, empfiehlt Mahlendorf. „Wenn das Ende eines Projekts für die Akteure mit einem hohen Statusverlust verbunden ist, werden diese tendenziell daran festhalten, auch wenn sich ein Scheitern längst abzeichnet.“ jf
Erschienen unter:http://www.isreport.de
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